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In stiller Trauer

Liebe Methfesselfreund:innen

Heute Nacht ist Esther Bejarano ruhig und friedlich eingeschlafen.

 

Wir alle kan­nten sie als eine Frau von großer Entsch­ieden­heit und ger­adezu unglaublichem Elan, die viele von uns noch bis vor kurzem auf der großen Bühne erleben durften.

 

Zulet­zt saß sie noch am 8. Mai auf unser­er kleinen Bühne im Ham­burg­er Gängevier­tel und erzählte von ihrer Befreiung am 3. Mai 1945 durch Sol­dat­en der Roten Armee und der US-Armee, die kurz nacheinan­der in der kleinen Stadt Lüb­sz ein­trafen. Dort hat­te Esther mit eini­gen Fre­undin­nen aus dem KZ Ravens­brück Unter­schlupf gefun­den, nach­dem sie gemein­sam dem Todes­marsch ent­flo­hen waren.

 

Ihr let­zter öffentlich­er Auftritt in Ham­burg war am 15. Mai 2021 anlässlich der 21. Marathon­le­sung zur Erin­nerung an die Bücherver­bren­nung am Kaiser-Friedrich-Ufer in Ham­burg. Dort, wo 1933 NS-Stu­den­tenor­gan­i­sa­tio­nen und Burschen­schaftler Büch­er ver­bran­nten, die als „schädlich und uner­wün­scht“ eingestuft wurden.

 

Wenige Tage zuvor, am 3. Mai, den sie ihren zweit­en Geburt­stag nan­nte, hat Esther sich noch mit ein­er Video-Botschaft zum Tag der Befreiung an uns alle gewen­det. Darin bezog sie noch ein­mal deut­lich Stel­lung zu aktuellen Auseinan­der­set­zun­gen in der Stadt Ham­burg und im ganzen Land.

Obwohl sie dabei schon im Roll­stuhl saß, waren ihre Worte klar und ihre Stimme kräftig:

 

 

Nun ist die uner­müdliche „Zeitzeu­g­in“ gegen Vergessen des his­torischen und Ver­harm­losen des aktuellen Faschis­mus, Mah­ner­in und Kämpferin für Men­schen­rechte, Frieden und eine sol­i­darische Gesellschaft von uns gegangen.

 
Wir denken ans sie in Dankbarkeit, Trauer und Liebe.

 

Nehmen wir ihre let­zte öffentliche Botschaft als Ver­mächt­nis und arbeit­en wir weit­er daran, dass der 8. Mai endlich auch in Deutsch­land ein Feiertag wird, so wie sie es in ihrer Rede am 3. Mai noch ein­mal vor­ge­tra­gen hat:

 

Ich fordere: Der 8. Mai muss ein Feiertag wer­den! Ein Tag, an dem die Befreiung der Men­schheit vom NS-Regime gefeiert wer­den kann. Das ist über­fäl­lig seit sieben Jahrzehn­ten. Und hil­ft vielle­icht, endlich zu begreifen, dass der 8. Mai 1945 der Tag der Befreiung war, der Niederschla­gung des NS-Regimes. Am 8. Mai wäre dann Gele­gen­heit, über die großen Hoff­nun­gen der Men­schheit nachzudenken:

 

Über Frei­heit, Gle­ich­heit, Brüder­lichkeit – und Schwesterlichkeit.“

 
Esther Bejarano wird uns fehlen,
vielen von uns auch als verlässliche Freundin.